Das Fibromyalgie-Syndrom

Dr. med. Klaus Mohr


Das Krankheitsbild der Fibromyalgie ist geprägt von

  • quälenden Schmerzen an den Muskel-Sehnen-Knochenhautübergängen,
  • außergewöhnlicher Müdigkeit bei Tage,
  • eigenartiger Überempfindlichkeit gegen über allen äußeren Belastungen von Körper und Seele.

Die Fibromyalgie ist ein Syndrom, das bei Laien bisher wenig bekannt ist. Mitunter können auch Ärzte die Symptome der Fibromyalgie einmal fehldeuten, da es bisher keinen spezifischen Test für diese Erkrankung gibt. Syndrome sind Krankheitsbilder, die aus dem Zusammenfügen von teilweise unbedeutend erscheinenden Symptomen und dem Ausschluß anderer Befunde sicher diagnostiziert werden können.

Kennzeichnend für die Fibromyalgie ist die Kombination der obengenannten Symptome, die auf den ersten Blick scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Gerade die Kombination solch verschiedenartiger Symptome macht oft die diagnostische Kunst aus.

Besonders charakteristisch für die Fibromyalgie ist

  • morgendlicher Schmerz bzw. Steifigkeit vor allem in Nacken, Schultern und anderen großen Gelenken. Morgenschmerz bzw. Steifigkeit tritt allerdings auch bei der rheumatoiden Arthritis auf - dabei bevorzugt in den Händen und Fingergelenken.

Bei der Fibromyalgie sind

  • Schmerz und Steifigkeit vorwiegend in Nacken, Schultern und Rücken lokalisiert

und

  • nachts vermehrt. Die Patienten wachen wegen der Schmerzen nachts auf.

Auffällig ist auch die

  • Verstärkung der Schmerzen durch Lärm und/oder seelische Belastung.
  • Wärme lindert die Schmerzen.

Die Schmerzen sind typischerweise an Sehnenansatzpunkten lokalisiert:

Abb.

Die Schmerzempfindlichkeit der gezeigten Sehnenansatzpunkte (mindestens 12 von 14) ist wesentlicher Bestandteil der Diagnose einer Fibromyalgie. Bisher gibt es keinen sicheren Test, insbesondere keine charakteristische Laboruntersuchung zum Nachweis der Fibromyalgie. Das Fehlen "harter" Daten ist sicherlich ein Grund für die relativ seiten gestellte Diagnose dieser Krankheit. Noch immer werden manche Fibromyalgie-Patienten in andere Krankheitsbilder des Bewegungsapparates oder auch des psychosomatischen Bereiches eingeordnet.

Das hat natürlich Konsequenzen für die Therapie. Bei der Fibromyalgie helfen die üblichen nichtsteroidalen Antirheumatika kaum. Deren beachtliches Nebenwirkungsrisiko steht daher in keinem vertretbaren Verhältnis zum (hierbei kaum vorhandenen) Nutzen.

Allerdings existiert bisher für die Behandlung der Fibromyalgie kein standardisiertes, schnellwirkendes Therapieverfahren.

Auch die Ursache dieses Krankheitsbildes ist noch nicht geklärt. Durchblutungsstörungen und relativer Sauerstoffmangel in der Muskulatur scheinen eine Rolle bei der Krankheitsentstehung zu spielen. Diese Faktoren stehen in wechselseitigem Zusammenhang mit überhöhtem Muskeltonus bzw. mit Bewegungsmangel.

Die Fibromyalgie ist jedoch von ihrer ersten Ursache her keine ausschließlich körperliche Erkrankung. Viele Fibromyalgie-Kranke litten bereits vor dem Ausbruch ihrer körperlichen Symptome an Depressionen. Oftmals wurde ihnen die Depression gar nicht bewußt. Erst mit dem Ausdruck ihrer körperlichen fühlbaren Schmerzen in Form der Fibromyalgie konnten sie erkennen, daß sie nicht in Ordnung waren.

Es wäre nun allerdings verkehrt, die Lösung des Problems ausschließlich im körperlichen Bereich zu suchen - etwa mittels Schmerzmitteln oder Antirheumatika. Eigenartigerweise werden die Schmerzen der Fibromyalgie-Patientinnen (ganz überwiegend sind Frauen betroffen) durch antidepressive Medikamente noch am ehesten gelindert, während Schmerz- oder Rheumamittel kaum Hilfe bringen.

 

Therapie des Fibrornyalgie-Syndroms

Eine "überwältigende" Behandlung der Fibromyalgie mit sofortiger "Beseitigung" der Beschwerden gibt es nicht. Die Bewältigung dieser Erkrankung ist eine Lebensaufgabe. Am Anfang stehen aufklärende Gespräche in einem Klima von Verständnis und Zuwendung. Die Patientinnen beginnen so, ihre Probleme und Konflikte klarer sehen zu lernen - und Lösungsmöglichkeiten zu finden. Nach aller Erfahrung erfordert der Heilungsprozeß rund fünf Jahre. In diesem Zeitraum klingen auch die Schmerzen allmählich ab.

Gefördert wird die Heilung in einem wechselseitigen gesunden Einwirken auf Körper und Seele.

Am besten wirkt Wärme in Form von

  • Fango-, Löß-, Heu- oder Moorpackungen,
  • Thermalmineral- oder Rosmarinbädern sowie
  • ausgiebiger harmonischer Bewegung.

Die Bewegung führt zu einer guten Durchblutung und Durchwärmung der Muskulatur sowie zu seelischer Harmonisierung.

Zur Einnahme sind gute Johanniskrautpräparate, Pangamsäurepräparate, Bitterstoffpräparate sowie die Spurenelemente Kupfer und Zink (im wöchentlichen Wechsel 0,3 mg - 0,6 mg Kupfer bzw. 25 mg Zink) hilfreich. Einreibungen können mit Propolis-, Rosmarin- oder Kampferpräparaten erfolgen (Hautverträglichkeit beachten).

Zum besseren Verständnis des Fibromyalgie-Syndroms ist noch auf dessen teilweise Übereinstimmung mit zwei scheinbar ganz anderen verschiedenartigen Erkrankungen hinzuweisen, nämlich mit

  1. dem chronischen Müdigkeitssyndrom (CFS) und
  2. dem Syndrom der multiplen chemischen Sensitivität (MCS).

Überwiegend betroffen sind jeweils Frauen jüngeren und mittleren Lebensalters mit guter Bildung, meistens teilzeitberuflich und gleichzeitig im Haushalt tätig. Das häufigste gemeinsame Leitsymptom in allen drei Patientengruppen ist die chronische Müdigkeit und Erschöpfung.

Nach einer Untersuchung aus Seattle/USA (B. Buchwald, D. Garrity, Harbourview Medical Center and School of Medicine, University of Washington, veröffentlicht in Archives of Medicine Internal 154, Nr, 18, 1994, S. 2049) berichten die Betroffenen auffallend häufig über eine Virusinfektion, die sie kurz vor Beginn ihres chronischen Leidens durchgemacht hatten. Auffallend häufig war auch die Inanspruchnahme medizinischer Hilfe seitens der Fibromyalgie-, CFS- und MCS-Kranken: In dem Jahr vor ihrer Einbeziehung in die genannte Studie hatten sie 22 bis 40mal eine ärztliche Praxis aufgesucht. Diese Frequenzen sind für die Verhältnisse in den USA noch weitaus ungewöhnlicher als in den europäischen Ländern, insbesondere in Deutschland. Die hohe Behandlungsfrequenz zeigt jedenfalls das bisherige Fehlen eines sofort wirkenden Behandlungsergebnisses seitens der konventionellen Medizin.

Trotzdem sind die drei "mysteriösen" Erkrankungen nicht unheilbar. Mit den alten Mitteln Verständnis, Zuwendung, Wärme, Geduld und konstruktive lebensfördernde Veränderung (= Lebensreform), dazu individuell verordnete, naturgemäß heilfördernde Mittel, sind sie zu heilen. Bloß mit dem beliebten automatenartigen (Wunsch-)Therapieprinzip "Medikament einwerfen, Heilung rausziehen" ist hier (wie eigentlich bei allen anderen Gesundheitsproblemen auch) kaum etwas anderes zu erreichen als neue Enttäuschung.

Statt dessen ist auf den genannten Wegen wirkliche Heilung, das heiß Gesundheit auf höherem Niveau, zu finden. Neuste Befunde deuten auf eine Mitverursachung der Fibromyalgie durch Bakteriophagen hin. Daher gehört die Symbioselenkung (s. Naturheilkunde für den Alltag, Verlag der Reform-Rundschau) in die Therapie einbezogen.

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