Um die Gesundheit zu erhalten oder
verlorene Gesundheit wieder aufzubauen, ist neben allen anderen Maßnahmen
auch ein gutes Maß an körperlicher Bewegung erforderlich. Über das
richtige Maß besteht, wie ich von Patienten in der Praxis und in
Kursen immer wieder höre, noch viel Unsicherheit.
Die Unsicherheit ist besonders groß, wenn schon Leistungsschwächen
oder Krankheiten bestehen. Auch bei Erkrankungen von Herz und
Kreislauf, vor allem auch bei Bluthochdruck, ist ein körperliches
Bewegungsprogramm sehr sinnvoll, bedarf aber individueller ärztlicher
Betreuung mit vorheriger Ermittlung der sicheren körperlichen
Leistungsfähigkeit.
Die aerobe Kapazität des Organismus, das heißt die Fähigkeit zur
Sauerstoffaufnahme und -verwendung, ist abhängig vom Ausmaß der
muskulären Aktivität, also der Bewegung. Sauerstoff ist für den Körper
der Schlüssel zur Energie. Wenn Sie die Sauerstoffkapazität Ihres Körpers
vergrößern können, werden Sie mehr innere Energie freisetzen: Sie
werden dann auch geistig leistungsfähiger und nicht mehr so leicht müde.
Vielen Krankheiten, vor allem des Kreislaufs und des Stoffwechsels,
aber auch Depressionen und Mißstimmungen wird dabei der Nährboden
entzogen.
Der Treibstoff und Energieträger für den Körper ist der
Traubenzucker (Glucose). Die besten Bezugsquellen für den
Traubenzucker sind pflanzliche Kohlenhydrate (Vielfachzucker, z.B. Stärke),
aus denen durch allmähliche Aufspaltung Traubenzucker freigesetzt
wird. Fette enthalten rechnerisch zwar rund doppelt so viel Energie
wie die Kohlenhydrate, jedoch ist ihre Verbrennung problematischer und
im Obermaß ungesünder für den Organismus. Der Gesamtfettgehalt der
Nahrung sollte deshalb 20 Prozent nicht übersteigen.
Der eigentliche, körpereigene Energieträger in allen Körperzellen
ist das Adenosintriphosphat (ATP). Das ATP ist gewissermaßen die Währung
für den Wirtschaftsbetrieb in den Körperzellen. Es wird in den
Zellen gebildet und wieder verbraucht. Der Gesamtumsatz an ATP im
Organismus eines Erwachsenen beträgt rund 70 kj (!) pro Tag.
Unter aeroben Bedingungen, d.h. bei optimaler Sauerstoffkapazität,
entstehen aus einem Molekül Glucose 36 Moleküle ATP. Wenn nicht genügend
Sauerstoff zur Verfügung steht, vergärt die Glucose, wobei nur 2
ATP-Moleküle entstehen, sowie Milchsäure. Die Milchsäure entzieht
den Muskeln noch weitere Energie.
Körperliche Bewegung erhöht die Sauerstoffaufnahme des Organismus
und damit die verfügbare Energie - allerdings erst ab einer
Mindestdosierung:
Ein Trainingseffekt wird erst erreicht bei
• einer Trainingszeit von mindestens 12 min (optimal 20-40 min)
und
• einer Belastungsintensität von 50 Prozent (besser 2/3) der
maximalen Leistungsfähigkeit.
Die Belastungsintensität kann für praktische Zwecke völlig
ausreichend mit der Pulszahl (Herzfrequenz) bestimmt werden: Am Ende
der Belastung sollte eine Pulszahl von 180 minus Lebensalter erreicht
werden. Beispielsweise sollte ein trainierter 52jähriger 180 - 52 =
128 Pulsschläge pro Minute erreichen. Dies gilt allerdings nur für
herzgesunde Menschen! In jedem Zweifelsfall und ab einem Lebensalter
über 45 Jahren ist die vorherige Durchführung eines Belastungs-EKGs
anzuraten. Etwas individueller, aber mit vergleichbaren Ereignissen,
ist die energieproduzierende Herzfrequenzrate (EPHR) zu
berechnen:
(220 - Lebensalter) x 0,7 = EPHR
Am Beispiel des 52jährigen Mannes: EPHR (für Untrainierte) =
(220 - 52) x 0,7 = 168 x 0,7 = 118 Der Faktor 0,7 ist für bisher
untrainierte Menschen anzuwenden. Für bereits sportlich Trainierte
nimmt man den Faktor 0,8:
EPHR (für Trainierte) = (220 - 52) x 0,8 = 168 x 0,8 134
für einen trainierten 52jährigen.
(Vorsicht: EPHR nicht für Patienten anwendbar, die Medikamente,
z.B. Betablocker, nehmen).
Ideal ist ein Bewegungsprogramm, das die EPHR viermal pro Woche für
etwa 15 Minuten erreichen läßt.
Die besten Bewegungsarten dafür sind: Laufen, Radfahren, Rudern,
Schwimmen (in temperiertem Wasser), aber auch Mannschaftsspiele mit
nicht zu hohen Belastungsintensitäten, z. B. Volleyball. Radfahren
ist auch für Patienten mit Arthrosen gut geeignet.
Das aerobe Bewegungsprogramm bewirkt:
- vermehrte Sauerstoffaufnahme, dadurch verzögerten Zellabbau
- Verminderung und Linderung von Alterserscheinungen
- vermehrte Energie des Organismus
- bessere Reaktionen auf Insulin, dadurch
- Appetitregulation auf das notwendige Maß
- Verminderung und Linderung von Alterserscheinungen
- Anstieg der Körpertemperatur während der Bewegung mit
vermehrter Immunfunktion
- bessere Verdauung und Darmtätigkeit
- Hemmung von Osteoporose
- besseres seelisches Befinden, Abbau von Depressionen, gesünderen
Schlaf.
Mit Antioxidantien (Bioflavonoiden, den Vitaminen C und E), mit Weißdorn
und Magnesium (hochwertige Präparate im Reformhaus) kann das
Bewegungsprogramm noch weiter optimiert werden.